Wechseljahre erkennen: Welche Symptome können auftreten?
„Bin ich schon in den Wechseljahren?“ Diese Frage stellen sich viele Frauen, wenn sich der eigene Körper plötzlich verändert. Der Zyklus wird unregelmäßiger, der Schlaf schlechter, die Stimmung schwankt oder die Energie fehlt – aber was hat das mit den Wechseljahren zu tun?

Die Antwort ist nicht immer einfach: Die Beschwerden der Wechseljahre sind vielfältig und können von Frau zu Frau sehr unterschiedlich sein. Manche Frauen haben nur wenige Symptome, andere erleben zahlreiche Veränderungen, die ihren Alltag und ihre Lebensqualität deutlich beeinflussen.
Viele Beschwerden werden zunächst gar nicht mit der hormonellen Umstellung in Verbindung gebracht. Gerade in der frühen Perimenopause können die Veränderungen schleichend beginnen.
Die folgende Übersicht zeigt, welche Beschwerden und Veränderungen auftreten können.
Inhalt dieses Beitrags
- Der Zyklus verändert sich
- Psyche, Gehirn und Nervensystem
- Hitzewallungen und Nachtschweiß
- Herz, Kreislauf und Stoffwechsel
- Knochen und Gelenke
- Blase, Scheide und Sexualität
- Woher weiß ich, ob meine Beschwerden von den Wechseljahren kommen?
- Wechseljahre oder etwas anderes?
- Der wichtigste Punkt: Du musst nicht alle Symptome haben
Der Zyklus verändert sich
Veränderungen des Menstruationszyklus gehören zu den wichtigsten Hinweisen auf den Beginn der Perimenopause.
Mit zunehmendem Alter nimmt die Funktion der Eierstöcke allmählich ab. Dabei verändern sich Eisprung und Hormonproduktion nicht gleichmäßig, sondern können über längere Zeit schwanken.
Mögliche Veränderungen sind:
- Der Zyklus wird zunächst häufig kürzer.
- Später können die Zyklen unregelmäßiger und länger werden.
- Blutungen können stärker oder schwächer ausfallen.
- Es kann Zyklen ohne Eisprung geben.
- Die Abstände zwischen den Blutungen können zunehmend variieren.
- Östrogen- und Progesteronspiegel können von Zyklus zu Zyklus deutlich schwanken.
Gerade diese hormonellen Schwankungen können erklären, warum sich manche Monate völlig normal anfühlen, während in anderen Zyklen plötzlich zahlreiche Beschwerden auftreten.
Aber: Auch wenn der Zyklus noch regelmäßig ist, können Frauen trotzdem bereits in der Perimenopause sein. Bisher wurden international anerkannte Kriterien zur Definition der reproduktiven Lebensphasen, die sogenannten STRAW-Kriterien, verwendet, um die verschiedenen hormonellen Phasen zu klassifizieren. Diese Kriterien basieren überwiegend auf Veränderungen des Menstruationszyklus.
Allerdings zeigen neue Daten aus Australien, dass es auch viele Frauen gibt, die trotz eines regelmäßigen Zyklus Hitzewallungen und psychische Beschwerden im Zusammenhang mit der Perimenopause haben. Es ist deshalb wichtig, die Symptome individuell zu betrachten und nicht zu bagatellisieren, nur weil der Zyklus noch regelmäßig ist.
Psyche, Gehirn und Nervensystem
Die Wechseljahre können auch die Stimmung, den Schlaf und die geistige Leistungsfähigkeit beeinflussen. Psychische Veränderungen gehören zu den Beschwerden, die ich mit Abstand am häufigsten in meiner Praxis beobachte.
Häufig werden psychische Beschwerden bei Frauen zunächst gar nicht mit den Wechseljahren in Verbindung gebracht. Nicht selten werden Frauen zunächst zum Psychiater, in eine Therapie oder in eine Reha geschickt, bevor jemand auf die Idee kommt, auch die hormonelle Situation zu untersuchen.
Mögliche Beschwerden sind:
- verstärktes PMS
- Stimmungsschwankungen
- Reizbarkeit oder innere Unruhe
- Ängstlichkeit
- depressive Verstimmungen
- das Gefühl: „Ich fühle mich nicht mehr wie ich selbst.“
- Schlafstörungen
- Erschöpfung und Müdigkeit
- Konzentrationsprobleme und Vergesslichkeit („Brain Fog“)
- Migräne oder Veränderungen einer bestehenden Migräne
- subjektiv empfundene Abnahme der geistigen Leistungsfähigkeit
Besonders häufig beeinflussen sich verschiedene Beschwerden gegenseitig: Schlafmangel kann beispielsweise Konzentration und Stimmung verschlechtern, während Hitzewallungen wiederum den Schlaf beeinträchtigen können.
Die Forschung zeigt, dass psychische, kognitive und Schlafbeschwerden während der menopausalen Transition durchaus eine Rolle spielen können. Gleichzeitig sind diese Beschwerden nicht ausschließlich hormonell bedingt und können viele verschiedene Ursachen haben. Deshalb ist eine individuelle Betrachtung wichtig.
Hitzewallungen und Nachtschweiß
Hitzewallungen gehören zu den bekanntesten Wechseljahresbeschwerden – aber längst nicht jede Frau bekommt sie.
Typisch sind plötzlich auftretende Wärmegefühle, häufig im Gesicht, am Hals oder Oberkörper. Dazu können Schwitzen, Herzklopfen und anschließend ein Frösteln kommen.
Treten Hitzewallungen vor allem nachts auf, können sie den Schlaf erheblich beeinträchtigen.
Herz, Kreislauf und Stoffwechsel
Während der Wechseljahre verändern sich auch verschiedene Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Risikofaktoren.
Mögliche Veränderungen sind:
- Herzklopfen oder Herzstolpern
- Veränderungen des Blutdrucks
- Veränderungen der Blutfettwerte, insbesondere des LDL-Cholesterins
- Veränderungen der Körper- und Fettverteilung
- zunehmende Fettansammlung im Bauchbereich
- Veränderungen des Blutzuckerstoffwechsels
- Abnahme der Muskelmasse und Zunahme des Körperfettanteils
Die menopausale Transition ist deshalb auch ein guter Zeitpunkt, sich mit der eigenen Herz-Kreislauf- und Stoffwechselgesundheit auseinanderzusetzen.
Das bedeutet nicht, dass jede dieser Veränderungen automatisch durch die Wechseljahre verursacht wird. Alter, Ernährung, Bewegung, Schlaf, Stress, genetische Faktoren und andere Erkrankungen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.
Knochen und Gelenke
Mit der Abnahme der Östrogenproduktion verändern sich auch die Bedingungen für den Knochenstoffwechsel.
Mögliche Beschwerden und Veränderungen sind:
- Gelenk- und Muskelschmerzen
- Veränderungen der Beweglichkeit
- zunehmendes Risiko für einen Verlust der Knochendichte
- langfristig erhöhtes Osteoporoserisiko
Auch hier gilt: Nicht jeder Gelenkschmerz ist ein Wechseljahressymptom. Neue oder anhaltende Beschwerden sollten entsprechend abgeklärt werden.
Blase, Scheide und Sexualität
Ein Bereich, über den noch immer viel zu wenig gesprochen wird, sind Beschwerden im urogenitalen Bereich.
Durch die hormonellen Veränderungen können sich Schleimhäute und Gewebe im Genital- und Harnwegsbereich verändern.
Mögliche Beschwerden sind:
- vaginale Trockenheit
- Brennen oder Juckreiz
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
- Veränderungen der sexuellen Lust
- häufigerer Harndrang
- wiederkehrende Harnwegsinfekte
- ungewollter Urinverlust
Diese Beschwerden sind häufig gut behandelbar – und sollten nicht einfach als etwas hingenommen werden, „das eben zu den Wechseljahren gehört“.
Woher weiß ich, ob meine Beschwerden von den Wechseljahren kommen?
Das ist eine der wichtigsten Fragen überhaupt.
Bei Frauen ab etwa 45 Jahren kann die Diagnose einer Perimenopause häufig anhand der Beschwerden und Veränderungen des Zyklus gestellt werden. Ein einzelner Bluttest kann die Perimenopause in dieser Lebensphase nicht zuverlässig bestätigen oder ausschließen, weil die Hormonspiegel während der Transition stark schwanken können.
Deshalb ist ein „normaler“ Hormonwert nicht automatisch ein Beweis dafür, dass man noch nicht in der Perimenopause ist.
Eine Blutuntersuchung kann in bestimmten Situationen trotzdem sinnvoll sein – beispielsweise bei ungewöhnlichen Beschwerden, sehr frühem Beginn der Symptome oder wenn andere Erkrankungen ausgeschlossen werden sollen.
Wechseljahre oder etwas anderes?
Nicht jede Veränderung in der Lebensmitte ist automatisch ein Wechseljahressymptom.
Ähnliche Beschwerden können beispielsweise auch bei folgenden Erkrankungen oder Mangelzuständen auftreten:
- Eisenmangel oder Blutarmut
- Schilddrüsenerkrankungen
- bestimmte Stoffwechselerkrankungen
- Depressionen oder Angststörungen
- Schlafstörungen anderer Ursache
- andere hormonelle Erkrankungen
Deshalb ist es wichtig, Beschwerden nicht einfach auf die Wechseljahre zu schieben, sondern sie bei Bedarf ärztlich abklären zu lassen.
Insbesondere bei sehr starken oder ungewöhnlichen Blutungen, neu auftretenden starken Schmerzen, anhaltenden Beschwerden oder einer deutlichen Veränderung des allgemeinen Gesundheitszustands sollte eine ärztliche Untersuchung erfolgen.
Auch die reguläre gynäkologische Vorsorge bleibt während und nach den Wechseljahren wichtig. Bei auffälligen Blutungen oder anderen Beschwerden kann die Gynäkologin oder der Gynäkologe gezielt untersuchen, ob beispielsweise Myome oder andere Veränderungen vorliegen.
Der wichtigste Punkt: Du musst nicht alle Symptome haben
Die Wechseljahre sehen bei jeder Frau anders aus.
Manche Frauen bemerken zunächst nur Veränderungen des Zyklus. Andere leiden vor allem unter Schlafstörungen, Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen oder Erschöpfung. Bei wieder anderen stehen sexuelle oder urogenitale Beschwerden im Vordergrund.
Es gibt deshalb keine Checkliste, die erfüllt sein muss, damit man „wirklich“ in den Wechseljahren ist.
Wenn sich dein Körper verändert und du dich fragst, ob die Wechseljahre dahinterstecken könnten, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Ein Symptomtagebuch kann dabei sehr hilfreich sein: Notiere über einige Wochen deinen Zyklus, Schlaf, Stimmung, Blutungen, Hitzewallungen, Energie, Schmerzen und andere Beschwerden. So lassen sich Muster häufig besser erkennen und anschließend auch gezielter mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen.

Sophie Berking
Fachärztin für Allgemeinmedizin und zertifizierte Menopause-Spezialistin (MSCP). In ihrer Praxis Menomedikum in Hamburg begleitet sie Frauen ganzheitlich durch Perimenopause und Menopause.
Sie möchten Ihre eigenen Beschwerden einordnen?
In der Sprechstunde nehme ich mir Zeit für eine ausführliche Anamnese, Laborwerte und einen Therapieplan, der zu Ihnen passt – in der Praxis in Hamburg oder per Videosprechstunde.
Quellen & weiterführende Literatur
Brinton, R. D. et al. (2015). Perimenopause as a neurological transition state. Nature Reviews Endocrinology, 11(7), 393–405.
El Khoudary, S. R. et al. (2019). The menopause transition and women’s health at midlife: A progress report from the Study of Women’s Health Across the Nation (SWAN). Menopause, 26(10), 1213–1227.
El Khoudary, S. R. et al. (2020). Menopause transition and cardiovascular disease risk: Implications for timing of early prevention: A scientific statement from the American Heart Association. Circulation, 142(25).
Islam, R. M. et al. (2025). Prevalence and severity of symptoms across the menopause transition: Cross-sectional findings from the Australian Women’s Midlife Years (AMY) Study. The Lancet Diabetes & Endocrinology, 13(9), 765–776.
Weiterführende Literatur
Harlow, S. D. et al. (2012). Executive summary of the Stages of Reproductive Aging Workshop +10: Addressing the unfinished agenda of staging reproductive aging. Climacteric, 15(2), 105–114.
Randolph, J. F. Jr. et al. (2011). Change in follicle-stimulating hormone and estradiol across the menopausal transition: Effect of age at the final menstrual period. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 96(3), 746–754.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.